FERDINAND STEINBEIS

Ferdinand Steinbeis


LEBENSLAUF

Am 5. Mai 1807 erblickte der Namensgeber unserer Schule das Licht der Welt. Mit ihm wurden in der Zeit 1804 - 1808 große Männer wie Eduard Mörike, Friedrich Eduard Vischer und David Friedrich Strauß geboren.

Seine Mutter war die Schwester des Dichters Justinus Kerner und des im Militär und Zivildienst hochverdienten württembergischen Generals, Geheimrats und späteren Präsidenten des Königlichen Bergrats Carl von Kerner. Der Vater, ein Pfarrer, war Sohn einer angesehenen Bäckerfamilie in Vaihingen/Enz.

Ursprünglich sollte Ferdinand Steinbeis gemäß den Vorstellungen seines Vaters Pfarrer werden. Alle Versuche seinem Sohn den richtigen Weg zu weisen scheiterten jedoch und der junge Ferdinand machte von 1821 - 1824 eine hüttenmännische Lehre in Wasseralfingen und Abtsgmünd. Er zeigte sich poetische veranlagt und bewies zugleich eine Vorliebe für alles, was seiner Phantasie Nahrung gab, wie z.B. der Mathematik und den Naturwissenschaften. Ihn reizte auch die Handarbeit in einer Werkstätte. Bis 1826 studierte er die Fächer Naturhistorik, Mathematik und Staatswirtschaft an der Staatswirtschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen und holte das Abitur nach. Ein erfolgreicher Abschluss des Studiums und die Teilnahme an einer ausgeschriebenen, technologischen Preisfrage brachte ihm den 1. Preis (eine Medaille mit dem Abbild des Königs) und den Grad eines Doktors der Philosophie ein, da die Ausführungen seiner Antwort vielseitigen, wissenschaftlichen Inhalts waren. Weiter verschlug es ihn ins königliche Eisenwerk Ludwigsthal. Zu dieser Zeit zählte Ferdinand Steinbeis 20 Lenze und trug die Aufgaben eines Hüttenschreibers. Da die Tätigkeit wenig anspruchsvoll war beschäftigte er sich mit der damals noch wenig erforschten Äquivalentlehre. Nach dem Bau eines revolutionären Wasserrades erhielt Steinbeis den Ruf vom Fürsten zu Fürstenberg zum Neubau seiner im Schwarzwald gelegenen Eisenwerke, dem er folgte. Nach zwölfjährigem Aushalten nahm Ferdinand 1830 das Angebot der Gebrüder Stumm, für sie als Direktor ihrer Eisenwerke im Saargebiet zu fungieren an und verließ hochgeachtet den Schwarzwald, um sich sogleich seinen Ruf im Saargebiet zu festigen, indem er den Hochofenbetrieb mit Koks anstatt mit Holzkohle einführte. Als König Wilhelm von Württemberg die Zentralstelle für Handel und Gewerbe ins Leben rief erhielt er einen Referentenposten für technische, Handels- und administrative Fragen, ebenso kontrollierte er die Eingriffe der Zentralstelle in industrielle und kommerzielle Privattätigkeiten. Dies bescherte ihm ein weites Betätigungsfeld im In- und Ausland. Um immer auf dem Laufenden zu sein unternahm er viele Reisen, wie z.B. nach Moskau und auch mehrere Male in die USA, selbst.

Nachdem Ferdinand Steinbeis Württemberg als Industrieland etablierte wandte er sich der Bildung, die ja ein wichtiger Bestandteil eines Industrielandes ist, zu. Als erstes sprach er sich gegen den von einigen Mitgliedern des Studienrates geforderten Schulzwang aus und sagte dazu: " Schulzwang bewirkt, daß eine träge Masse sich den Fleißigen anhängt und das Vorwärtsschreiten derjenigen aufhält, welche zu tüchtigen Gewerbsmännern sich heranbilden wollen." (Frauen wurden nicht erwähnt, Steinbeis unternahm jedoch auch einiges für deren Bildung.)

1851 wurde er für seine Dienste bei der Londoner Weltausstellung in den persönlichen Adelsstand erhoben und hieß somit Ferdinand von Steinbeis.

1862 trat er der württembergischen Kammer der Abgeordneten bei, um sich mit Einzelheiten des württembergischen Staatshaushaltes und Verwaltungswesens näher bekannt zu machen.

Seine Frau Friederike Steinbeis geborene Klumpp lernte er in Schwarzenberg bei Freudenstadt kennen. Ihr Vater betrieb unter anderem eine Sägemühle in Gommereichenbach.

Bereits 1880 quittierte der württembergische Gewerbeförderer als 73-jähriger seinen Dienst. Als er sich gegen die von Bismarck befürwortete Schutzzollpolitik aussprach versagten ihm viele Unternehmer und die Regierung die Gefolgschaft. Seine Stellung als Wirtschaftspolitiker war nicht mehr unumstritten und enttäuscht darüber, bei der Regierung auf taube Ohren zu stoßen, zog er zu seiner Tochter nach Leipzig, wo er auch schließlich am 7. Februar 1893 starb. Die Trauerfeier fand jedoch in Ulm statt, wo große Lobeshymnen auf ihn gesungen wurden. Niemand sah, daß ihm das Unglück beschieden war, seine Zeit zu überleben und mitzubekommen, wie ihm das genommen wurde, was sein Leben ausmachte, indem sie ihn als entbehrlich abstempelten.

Bis zu seinem Tod 1893 lebte Ferdinand Steinbeis in Leipzig. Er ist in Ulm begraben Erst nach seinem Tod wurde er wieder zu dem, der er in jungen Jahren war, der Wegbereiter der Befreiung der Wirtschaft Württembergs.

Steinbeis Grab

Lit.: "Ferdinand Steinbeis, Gewerbeförderer und Volkserzieher", Buchreihe Schwäbische Lebensläufe